Lage: Hamburg
Zeitraum: 2021 bis 2028
Auftraggeber: DEGES
Bauausführung: ARGE Hafenbahntunnel – AUGUST REINERS Bauunternehmung GmbH (TGF) | Bauer Spezialtiefbau GmbH (KGF)
Ausführungsplanung: Ramboll Deutschland GmbH
Bauweise: Offene Bauweise
Mit dem Bauabschnitt 4 der A26 entsteht die Verbindung zwischen der Landesgrenze Hamburg/Niedersachsen und der A7. Bestandteil dieses Abschnitts ist der Hafenbahntunnel, mit dem die zukünftige A26 die Gleisanlagen der Hamburger Hafenbahn unterquert.
Bei km 0+590 kreuzt die Trasse der A26 die Hafenbahnstrecke Hausbruch–Waltershof. Hier entsteht ein rund 200 m langes, zweizelliges Tunnelbauwerk aus wasserundurchlässigem Beton nach dem Prinzip der „Weißen Wanne“. Östlich schließt eine rund 70 m lange Trogrampe an, westlich der Portalbereich.
Die besonderen geotechnischen Verhältnisse und die Grundwassersituation stellen eine der zentralen Herausforderungen bei der Herstellung des Hafenbahntunnels dar und bestimmen maßgeblich die gewählten Bauverfahren und den Bauablauf. Insbesondere Wasserhaltung, Bodenmanagement und Baugrundertüchtigung stellen während der gesamten Bauzeit hohe technische und logistische Anforderungen. Der überwiegend aus Torf und Klei bestehende Baugrund weist nur eine geringe Tragfähigkeit auf. Umfangreiche Maßnahmen zur Baugrundertüchtigung sowie zur Herstellung tragfähiger Arbeitsebenen und Baustraßen sind daher bereits für den Baustellenbetrieb erforderlich.
Die Baugrubenumschließung erfolgt mit Spundwänden und im Bereich des bestehenden Hafenbahndamms mit Bohrpfahlwänden. Innerhalb der Baugruben wird der nicht tragfähige Baugrund anschließend im Nassbaggerverfahren ausgehoben. Die Baugrubensohle wird unter Einsatz von Tauchern abgesaugt und für die weiteren Arbeiten vorbereitet. Das dabei anfallende Boden-Wasser-Gemisch wird aufwendig behandelt und getrennt. Hierfür kommen unter anderem Separationsanlagen, Absetzcontainer, Flockungsmittel und Geotubes zum Einsatz. Zur Trockenlegung der Baugruben werden anschließend vertikal verankerte Unterwasserbetonsohlen hergestellt. Allein hierfür bauen wir insgesamt rund 18.350 m³ Unterwasserbeton ein, davon rund 7.850 m³ im östlichen und 10.500 m³ im westlichen Bauabschnitt.
Zusätzliche Anforderungen an Bauverfahren, Geräteeinsatz und Baustellenlogistik ergeben sich durch Arbeiten unter bestehenden Hochspannungsmasten sowie im unmittelbaren Nahbereich der in Betrieb befindlichen Hafenbahn. Die Aufrechterhaltung des Hafenbahnbetriebs während der Bauzeit erfordert zudem die Unterteilung von Baugrube und Tunnelbauwerk in einen westlichen und einen östlichen Bauabschnitt. Der Hafenbahntunnel ist für den Richtungsverkehr mit jeweils zwei Hauptfahrstreifen je Fahrtrichtung vorgesehen. Hinzu kommen zwei Einfahrstreifen in Fahrtrichtung Stade sowie eine Ausfahrspur in Fahrtrichtung Hamburg. Die in der Regel 10 m langen und über 30 m breiten Tunnelblöcke werden abschnittsweise hergestellt. Zunächst wird die Sohle betoniert, anschließend die Mittelwand. Den Abschluss eines Tunnelblocks bildet die gemeinsame Betonage von Außenwänden und Decke. Eine weitere Besonderheit des konstruktiven Betonbaus ist die Herstellung der Trogbereiche mit einer aufwendigen Reliefschalung.
Über das Tunnelbauwerk werden künftig vier Gleise der Hamburger Hafenbahn geführt: zwei durchgehende Hauptgleise und zwei Ausziehgleise. Darüber hinaus werden die baulichen Voraussetzungen für eine mögliche spätere Erweiterung des Gleisfeldes durch die HPA geschaffen. Zum Projekt gehören außerdem umfangreiche betriebs- und entwässerungstechnische Anlagen. Am östlichen Portal entstehen ein Betriebsgebäude, ein Löschwasserspeicher, ein Havariespeicherbecken, ein Regenwasser-Pumpenschacht sowie ein Schlammfang. Am westlichen Portal ist ein weiterer Löschwasserspeicher vorgesehen.
Eine weitere Besonderheit des Projekts ist die Verbindung von Bodenmanagement und Landschaftsbau: Aushubmaterial aus den Baugruben des Hafenbahntunnels wird für die Herstellung der Grünbrücke wiederverwendet. Diese umfasst eine Fledermausflugroute, einen Wirtschaftsweg, eine Grünverbindung zur Vernetzung der Grünkorridore sowie ein südlich angrenzendes Landschaftsbauwerk. Der Hafenbahntunnel vereint damit auf engem Raum anspruchsvollen Ingenieur- und Spezialtiefbau mit Straßen- und Bahninfrastruktur sowie hohen Anforderungen an Baugrund, Wasserhaltung und Bauablauf bei laufendem Hafenbahnbetrieb.














